Der Krönungsabend

Begrüßungsrede

TOP 1

Nach nur 7 Monate und 2 Tagen bin ich nunmehr - es war eine knappe Auszeit, die mir gegönnt war - wieder im Vorstand. Das war allerdings nicht der Grund, um den Vogel herunterzuholen. Aber, wer mich kennt, muss damit rechnen, dass ich mich in der begrenzten Amtszeit von 1 Jahr, auch wenn ich nur geborenes Mitglied bin, an der ein oder anderen Stelle einbringen werde.  

TOP 2

Warum ist es mittlerweile selbstverständlich, dass sich die befreundeten Vereine hier im Festzelt Grevenbroich versammeln und sich wechselseitig durch Einladungen dem jeweils Anderen die Ehre erweisen.  

Der Ursprung liegt 36 Jahre zurück ( 1975 ). Dr. Hans Wattler war seit 1969 Bürgermeister der Stadt Grevenbroich, wohnhaft in Elsen, aufgewachsen jedoch in einer damals selbständigen Gemeinde südlich von Grevenbroich, nämlich Gustorf. Dr. Hans Wattler wurde 1975 im Zuge der kommunalen Neugliederung erster Bürger der neuen Stadt Grevenbroich. Er hatte dieses Amt inne bis 1979. Ihm folgte der legendäre HGB. 1975 stand er vor der Frage: Wie führe ich die Menschen, nicht die Verwaltung, das war Aufgabe von Herrn Stadtdirektor a.D. Dr. Horst Linden, zusammen. 

Er hatte eine einfache, unkonventionelle und sehr effiziente Idee. Wo finden sich die meisten Menschen in den Ortschaften / ehemals selbständigen Gemeinden ungeachtet der politischen Gesinnung zusammen? Antwort: 

In den Heimatvereinen, Kirmesgesellschaften, Bruderschaften und Bürgerschützenvereinen. Mit wem kann man das am besten organisieren und die Politik möglichst weitgehend aus dem Spiel halten?  

Antwort: Willi Krawinkel, seinerzeit amtierender Präsident des BSV Grevenbroich, geradlinig und unverfänglich und mit seinen 52 Jahren gerade mal 4 Jahr älter als Dr. Hans Wattler.  

Willi Krawinkels Heimat war Allrath. Die Verbundenheit hält bis heute an. Allrath, eine ehemals selbständige Gemeinde, die bereits 1931 von der Stadt Grevenbroich einverleibt wurde.  

Beide, Dr. Hans Wattler und Willi Krawinkel, hatten die Wirren des verheerenden Krieges über sich ergehen lassen müssen. 

Sie sahen sich Beide in der Pflicht, sich bürgerschaftlich in vielfältiger Weise zu engagieren.  

Auch wenn der ein oder andere Stein noch beiseite geschoben werden musste, so mehrten sich von Jahr zu Jahr die Fahnen der befreundeten Vereine im Festzelt. Seit Jahren ist diese Zusammenkunft eine Selbstverständlichkeit.  

Unser Dank gilt allen die daran mitgewirkt haben, aber besonders Willi Krawinkel, der unter uns weilt, und posthum Dr. Hans Wattler. 

Altbundeskanzler Helmut Schmidt -mittlerweile über 92 Jahre - würde heute in seiner unnachahmlichen, hanseatischen, unterkühlten Art - ich zitiere - von „ gut nachbarschaftlichen Beziehungen „ sprechen, die die Beiden für die Stadt Grevenbroich mit ihren Ortsteilen erreicht haben. 

Meine lieben Gäste: die Beiden, auch wenn der Eine, mit dem ich viele ungezwungene Gespräche bei einem Glas Alt führen durfte, leider seit dem 21. Juli 2008 nicht mehr unter uns ist, haben einen ehrwürdigen Applaus verdient. 

Sie haben sich um die neue Stadt Grevenbroich, ihre Stadtteile und ihren selbständigen Heimatvereine, die weiterhin die örtliche Tradition wahren, verdient gemacht und dürfen nicht in Vergessenheit geraten. 

TOP 3

Nun komme ich noch zu jemanden, der in der öffentlichen Wahrnehmung des BSV Grevenbroich m. E. etwas zu kurz gekommen ist. 

Er ist der Mann im Hintergrund, bei dem fast alle Fäden zusammenlaufen. Ich habe mit ihm 9 Jahre im geschäftsführenden Vorstand eng zusammengearbeitet. 

Wir haben manche Kontroverse miteinander geführt. Wir hatten schon langsam Spaß daran gefunden.  

Im Ergebnis gab es nie einen Verlierer oder Sieger. Wir haben uns immer mit Respekt in die Augen sehen können. 

Wäre er bei einem Großkonzern beschäftigt, wäre er Leiter des Vorstandsekretariats. Bei der Landesregierung Chef der Staatskanzlei im Range eines Staatsekretärs. Bei der Bundesregierung im Range eines Ministers Chef des Bundeskanzleramtes. 

Er sitzt etwa knapp 2 Meter von mir entfernt und führt seit Jahren routiniert durch das Protokoll. Sachlich, bescheiden, dennoch bestimmend. Aber dahinter steckt eine Menge Arbeit. 

Er ist leidenschaftlicher Altbiertrinker und geht mit seiner Krista gerne auf Reisen, um aufzutanken. 

Ich bitte nunmehr unseren Schriftführer Willi Peiffer - Geschäftsführer wäre angebrachter - zu mir. 

Ich weiß, das ist nicht sein Ding. Gleichsam seiner Bescheidenheit bekommt er als Geste des Dankes eine Flasche Bolten-Alt  und - das sind wir ihm schuldig - einen kräftigen Applaus. Steht auf von den Stühlen und applaudiert, damit er uns noch lange erhalten bleibt und nicht auf dumme Gedanken kommt  

TOP 4

Ich habe soeben geschworen. In der Bergpredigt von Jesus überliefert im Evangelium nach Matthäus Kapitel 5 steht u.a. „ Schwört überhaupt nicht „.  

Ich hoffe Frau Pastorin Ruge und Herr Pfarrer Steinfort, dass mir, meinen Vorgängern und Nachfolgern dies nicht zur Last gelegt wird.  

Mit etwas Phantasie findet man die Botschaft der Bergpredigt in dem ein oder anderen Artikel unserer Verfassung wieder. Gleichwohl mit vielen Öffnungsklauseln, die unsere Volksvertreter im Gesetzgebungsverfahren manchmal sehr strapazieren. 

Die Dichte von Gesetzen, Verordnungen und Erlassen öffnet die Türchen, um die Lücken zu finden, dass alles Das, was nicht geregelt ist, rechtens ist. Die Gerichte werden mit unzähligen Klageverfahren überschwemmt. Manches gesprochene Urteil steht nicht mehr im Einklang mit dem normalen Rechtsempfinden. Die Mitglieder demokratisch gewählter Parlamente werden angesichts der Finanzkrise genötigt, gegen ihr eigenes Gewissen zustimmen. 

Die Frage, auf die wir - so glaube ich - keine Antwort wissen lautet. Gibt es die wahre Gerechtigkeit, von der in der Bergpredigt die Rede ist oder wird sie fortwährend durch uns Menschen geschuldet ?  

Ich denke, wir sind damit überfordert, gerade weil wir Menschen sind. Unser Gewissen sollte uns nicht schonen, Tag für Tag unsere Fehler aufzudecken.  

Kleinigkeiten machen oft das Leben aus. Ein Danke zur rechten Zeit, ein offenes Ohr, ein Gespräch, die Bitte um Entschuldigung, das kleine unerwartete Geschenk, die Einladung, Bescheidenheit, Zeit haben für sich und den anderen, Helfen, Respekt vor dem Alter und Andersdenkenden, Beten für sich und andere und den Mut, Ungerechtigkeiten und der so lieb gewonnen Freiheit, die oft in Beliebigkeit zu lasten Schwächerer endet, Einhalt zu gebieten. 

Meine lieben Gäste. Dies sind auch die Grundwerte unserer Vereine, die wir pflegen und bewahren müssen. Nicht das uns eines Tages vor lauter Aktionismus - ausgelöst dem Zeitgeist permanent folgen zu müssen - die Bodenhaftung verloren geht und uns sprichwörtlich die Puste ausgeht.  

Ich möchte mich nunmehr mit dem Gelassenheitsgebet, dass der Pfarrer, Theologe und Philosoph Reinhold Niebuhr während des 2. Weltkrieges verfasst haben soll, an Euch wenden. 

Gott, gib uns die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die wir nicht ändern können, den Mut Dinge zu ändern, die wir ändern können, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden. 

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Wir wünschen Ihnen Allen Gesundheit, Zufriedenheit und Freude am Leben sowie Gottes Segen. Bis bald  

Euer Heinz-Georg Langen

Copyright © 2010 by Schulz & Schulz. Letzte Änderung am 11.10.2010